RAP-Story — Gegenprobe: Dieselbe Genese, eine ernste Domäne

Ein Nachwort zum Vergleich. Nicht mehr die Hundeschule, sondern eine handfeste Domäne: die Lehre an einer Hochschule.

Acht Akte und eine Politur lang haben wir ein Haus für eine Hundeschule gebaut — Halter, Hunde, Stunden, Rechnungen, am Ende ein ganzes Mehrfamilienhaus. Eine hübsche Geschichte. Aber ein Skeptiker darf fragen: War das typisch — oder ein Mickey-Maus-Beispiel? Hundestunden sind niedlich; sie sind kein Curriculum, keine Prüfungsordnung, kein Semesterbetrieb. Fühlt sich die Genese eines RAP-Systems immer so an — oder nur, solange die Domäne leicht ist?

Wir haben die Gegenprobe gemacht. Nicht am Reißbrett, sondern echt: an einem Tag eine Hochschul-Anwendung modelliert — Wissensvermittlung, mit allem, was dazugehört. Hier die Erfahrung, Seite an Seite mit der Hundeschule.

Der Bezugsrahmen: ein Tag

Ein Architekt, ein KI-Partner, ein Arbeitstag. Kein Vorlauf, kein Gerüst von gestern — die grüne Wiese, dieselbe wie bei doggi. Am Abend stand ein System, das man anfassen kann: live, deployt, mit echten Daten drin. Unter followthescore.org/study kann man hineinschauen.

Was qualitativ herauskam

Dasselbe Dreigespann wie bei der Hundeschule — Modell, Sichten, Aktionen —, nur an einer ernsteren Domäne:

  • Das ER-Modell: 18 Entitäten in sechs Bereichen — Organisation (Fakultäten, Studiengänge), Menschen (Studierende, Dozenten), Curriculum (das Modulhandbuch), Campus (Gebäude, Räume), Stundenplan & Prüfungen und die Durchführung auf dem Kalender. Der tragende Kniff: jede Universität ist ein eigener Mandant mit eigener Notenskala — und trotzdem entscheidet eine einzige generische Regel, ob eine Prüfung bestanden ist (deutsche 1,0–5,0 hier, 0–100 % dort — dieselbe Logik).
  • Die Sichten: nach Bereichen gruppiert, dazu die eine, die zeigt, dass ein Modell mehr ist als Tabellen — die Zeugnis-Vorschau neben dem eingefrorenen Dokument, und die view-as-Linse, mit der man durch die Augen einer bestimmten Studentin oder eines Dozenten schaut.
  • Die Aktionen: drei, die über simples Anlegen-Ändern-Löschen hinausgehen. Das Zeugnis wird ausgestellt, nicht gerendert — einmal, als eingefrorenes PDF auf der Matrikel; ein zweiter Versuch wird abgewiesen. Der Semester-Ausroll verwandelt das wöchentliche Stundenraster in konkrete, datierte Termine (Feiertage übersprungen, wiederholbar). Und eine Störung — kranker Dozent, verlegter Raum — fächert Benachrichtigungen live an alle eingeschriebenen Studierenden und den Dozenten.

Was quantitativ entstand

Kein Wireframe, kein Klick-Dummy: ein voller Seed-Datenbestand (Fakultäten, Studiengänge, ein Modulhandbuch, Studierende mit Matrikeln, Dozenten, Räume, ein Wochenraster, Feiertage) und darauf ein funktionierendes, deploytes System — REST-API, Browser-UI mit Formularen und Validierung, Rollen-Berechtigungen, Audit. Ein Absolvent hat sein Zeugnis (Endnote 1,75), ein Semester läuft. Man kann sich einloggen und es benutzen — nicht als ob, sondern echt.

Was uns selbst überrascht hat

Das Erwartbare war das Curriculum — Module, Studiengänge, Prüfungen, das kennt jeder Hochschulmensch. Unerwartet war, was daneben mühelos mitentstand:

  • der Ausroll auf die Zeitachse — dass aus dem abstrakten Wochenraster ein echter, datierter Semesterkalender wurde, auf dem sich Störungen zeigen;
  • und die Ansätze für Portale — eine persönliche Agenda und ein Posteingang je Person, für Studierende und Lehrende. Nicht geplant als „Feature", sondern gefallen wie eine reife Frucht, weil das Modell es hergab.

Genau das ist die Antwort auf die Eingangsfrage. Die Genese fühlt sich vertraut an — derselbe Rhythmus wie bei der Hundeschule: erst das Modell, dann die Sichten, dann die Aktionen, dann das Deployment. Wer die Hunde-Story gelesen hat, findet sich hier sofort zurecht. Aber die Domäne formt die Details. Die Hundeschule brauchte keinen Semesterkalender; die Hochschule verlangte ihn — und bekam ihn fast beiläufig. Der Korridor ist derselbe; was in ihm wächst, richtet sich nach der Familie.

Datenmodell der Hochschul-Anwendung — 18 Entitäten mit ihren Attributen in sechs farbcodierten Bereichen

Das kuratierte Datenmodell auf einen Blick — 18 Entitäten mit ihren Attributen und Beziehungen, in sechs farbcodierten Bereichen: Organisation, Menschen, Curriculum, Campus, Stundenplan & Prüfungen, Durchführung & Benachrichtigungen (dazu die generischen System-Entitäten). Fremdschlüssel fett, berechnete Felder rot, Schlüssel unterstrichen.

Für Lehrende

Damit ist die Gegenprobe zugleich eine Einladung. Wer an einer Hochschule lehrt, hat hier eine Blaupause: eine Domäne, die jeder Informatik-Studierende versteht, klein genug für eine Lehrveranstaltung, groß genug, um echt zu sein — mit offensichtlichen Andockpunkten, an denen Studierende eigene Entitäten, Sichten und Prozesse ergänzen. Ein Tag Architekten-Arbeit als Ausgangspunkt; der Rest ist Übung.


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